Ihr Kinderlein kommet! – Doch wer soll sie betreuen?

06.05.22 von Tülay Sanmaz

Böblingen wächst schneller als gedacht und es gibt viel mehr Nachwuchs. Die steigende Nachfrage an Kinderbetreuung ist in Böblingen bemerkbar und die Wartezeiten für Kita-Plätze werden immer länger. Eltern fragen sich, warum sie keinen Platz für ihre Sprösslinge bekommen und berufstätige Eltern müssen als Notlösung die Großeltern einspringen lassen, wenn sie denn in der glücklichen Lage sind, diese vor Ort zu haben.

In Böblingen fehlen viele Kindergartenplätze

Im letzten Jahr haben bereits über 400 Betreuungsplätze gefehlt und die Zahl steigt. Um diesen Mangel zu beheben, hat die Stadtverwaltung bereits vor ca. drei Jahren die sogenannte Kita-Offensive gestartet, mit der sie das Angebot der Kinderbetreuung in Kindertagesstätten ausbauen möchte. Dazu gehört der Bau neuer Einrichtungen wie der Kindergarten in der Breslauer Straße, die Sanierung und der Ausbau bestehender Einrichtungen sowie ein Programm zur Personalgewinnung.

Die Stadtverwaltung möchte im Interessen der Eltern nicht nur einfach einen Platz anbieten, sondern gleichzeitig eine hochwertige Betreuung. Die Quantität und die Qualität müssen stimmen! Tatsache ist jedoch, dass weiterhin Kita-Plätze fehlen. Die Stadtverwaltung steckt damit in einer Zwickmühle. Sie bemüht sich mit Hochdruck darum, neue Betreuungsplätze zu schaffen und baut neue Kindergärten, um mehr Plätze anbieten zu können. Nur reicht das leider nicht aus, denn das nächste Problem steht bereits vor der Tür.

Wenn die Anzahl der Plätze steigt, steigt auch der Personalbedarf

Der Personalbedarf in den Kitas ist die größte Herausforderung von allen, und dies gilt nicht nur für Böblingen, sondern landesweit. Der Arbeitsmarkt ist durch einen Mangel an Erzieher*innen und weiteren geeigneten Fachkräften gekennzeichnet. Um dem Personalmangel entgegenzuwirken, hat das Land Baden-Württemberg im Jahr 2019 mit dem „Pakt für gute Bildung und Betreuung“ zusammen mit den Kommunen zwar eine Ausbildungsoffensive gestartet und zahlt nun Zuschüsse für die praxisintegrierte Ausbildung. Trotzdem ist der Engpass an Fachkräften so schnell nicht zu beheben.

Wegen Streiks von Erzieher*innen in mehreren baden-württembergischen Regionen, darunter auch Böblingen, müssen sich viele Eltern wiederholt darum bemühen, eine andere Lösung für die Betreuung ihrer Kinder zu finden. Gerade diese Woche waren auch für Böblingen wieder Warnstreiks angekündigt. ver.di fordert für die bundesweit rund 330.000 betroffenen Beschäftigten bessere Arbeitsbedingungen, Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel und eine höhere Besoldungs-Eingruppierung vieler Mitarbeiter.

Wie kann Böblingen mehr qualifizierte pädagogische Fachkräfte gewinnen?

Jetzt müssen Maßnahmen und Regelungen getroffen werden, um pädagogische Fachkräfte anzuwerben. Das wird die größte Herausforderung sein. Doch welche Möglichkeiten hat die Stadt?

  • Einrichtung eines Pools von Aus- und Hilfskräften
  • Aufstockung potentieller Teilzeitkräfte
  • Bessere Bezahlung und Rahmenbedingungen
  • Eine Ausbildungsbeauftragte in der Kindergartenverwaltung: für die Personalverantwortung für alle Azubis und Personalgewinnung
  • Erhöhung der Zahl der Ausbildungsplätze
  • Vergütung des schulischen Ausbildungsanteils auch für Realschüler*innen im ersten Ausbildungsjahr

Nur wenn die Rahmenbedingungen der Beschäftigten in den Einrichtungen stimmen, kann qualitativ gute Arbeit geleistet werden und die Kinder fühlen sich wohl und geborgen. Und nur, wenn Fachkräfte zufrieden mit ihren Arbeitsbedingungen sind, werden sie langfristig bleiben und weitere Kolleg*innen anziehen. Die Stadtverwaltung muss ihre Anstrengungen in diesem wichtigen Bereich noch weiter hochfahren!

Tülay Sanmaz
Fraktion Bündnis 90/Die Grünen

Kategorie

Gemeinderat