Kunst und Kultur machen eine Stadt erst zur Stadt

Kunst und Kultur gehen alle an! Das Kulturleben einer Stadt trägt dazu bei, dass Menschen sich wohlfühlen und gerne dort leben. Ausstellungen in der Städtischen Galerie, Musikveranstaltungen im Blauen Haus, Geschichte im Bauernkriegsmuseum – dies sind Bespiele für Kunst und Kultur in Böblingen.

Kulturentwicklungsplanung seit 1993

Die Kulturentwicklungsplanung in Böblingen geht weit zurück. Schon im Kulturentwicklungsplan (KEP) 1993 wurde die Qualität des Kulturangebots gelobt, aber auch festgestellt, dass ein klares Profil vermisst wird. Der KEP 2009 empfiehlt dann eine räumliche Trennung von Bauernkriegsmuseum und Städtischer Galerie.
Die Diskussion um die Unterhaltungskosten für die Vielzahl von städtischen Gebäuden und der Vorschlag, das Fleischermuseum zu schließen, führte 2014 zum Auftrag eine Museumskonzeption zu erstellen. Deren Ergebnisse wurden im Juli 2019 bei einer Museumskonferenz im Böblinger Rathaus öffentlich vorgestellt. Die Museumskonzeption schlägt u. a. die Schaffung eines Forums für Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Stadt Böblingen vor.

Exkursion zum Stadtpalais Stuttgart

Um die Bürgerbeteiligung zur Böblinger Museumskonzeption zu unterstützen, lud die Gemeinderatsfraktion der Grünen zu einer Exkursion ins Stuttgarter Stadtpalais ein. Das Stadtpalais ist ein gelungenes Beispiel für die vorgeschlagene Art von modernem Stadtmuseum. In einer einstündigen Führung wurden den Teilnehmenden Stuttgarter Stadtgeschichten und deren Präsentation nahegebracht. Fraktionsmitglieder der Stuttgarter Grünen berichteten von der Entstehungsgeschichte und dem enormen Erfolg des neuen Stadtmuseums: 2007 Grundsatzbeschluss, 2014 Baubeschluss und April 2018 dann die Eröffnung. Die erhofften 100.000 Besucher im Jahr wurden schon nach wenigen Monaten erreicht.
Das Erdgeschoss des Stadtpalais und die Freibereiche im Garten bilden ein neues „Wohnzimmer der Stadt“ und bieten Raum für Veranstaltungen, Diskussionen und Events. In den „Jahrhunderträumen“ erzählen Biographien, Objekte, Bilder, Fotos und Filme die Stadtgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts und den Weg von der kleinen Residenzstadt zur industrialisierten und von Migration geprägten Großstadt. Vermittlungsangebote für alle Altersstufen, Veranstaltungsreihen und Diskussionsangebote sind wesentliches Element der Museumskonzeption.
Im Zentrum der ständigen Ausstellung zeigt ein medial bespieltes Modell der Stuttgarter Gemarkung die besondere Topographie der Stadt auf einen Blick. In „Stadtgesprächen“ rund um das Modell erleben die Besucher, was in Stuttgart für Gesprächsstoff sorgte und die Stadt noch heute prägt.

Böblinger Geschichten

Auch Böblinger Familien haben viele Geschichten zu erzählen: Sei es von der Hebamme Schwester Gretel, die in der Lange Straße vielen Kindern ans Licht der Welt geholfen hat. Oder die Geschichte vom russischen Zwangsarbeiter in der Zuckerfabrik, der von einem Mitarbeiter dort gut behandelt worden ist. Beim Einmarsch der Alliierten stellte er sich schützend vor die Frauen in der Familie und konnte so Schlimmes verhindern.
Böblingen und Dagersheim haben eine interessante, teilweise aber auch leidvolle Geschichte, die es lohnt in einem Stadtmuseum darzustellen. OB Dr. Stefan Belz schlägt in seinem Wahlprogramm 2017 ein Stadtmuseum „Von der Gründung, über den Bauernkrieg bis heute“ vor. In unserem Kommunalwahlprogramm fordern wir ein gemeinsames Stadtmuseum für Böblingen und Dagersheim. Wie das Stuttgarter Museum könnte es Stadtgeschichte darstellen und Stadtgeschichten erzählen. Sie kennen auch eine Böblinger Stadtgeschichte? Wir freuen uns, davon zu hören.

Dorothea Bauer
Vorsitzende der Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen

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