
10.10.25 –
Durch Stuttgart 21 entfällt im Frühjahr 2027 die direkte Verbindung per Regional- und Fernverkehr von Böblingen zum Stuttgarter Hauptbahnhof. Um diese Verbindung wiederherzustellen, plant der Bund, die Gäubahn per Tunnel über den Flughafen an den Hauptbahnhof anzubinden. Hierzu soll ab 2026 auf Höhe der Autobahneinfahrt Sindelfingen-Ost der „Pfaffensteigtunnel“ gebaut werden. Nach der Fertigstellung 2032 wäre dieser übrigens mit insgesamt elf Kilometern der zweitlängste Schienentunnel Deutschlands.
Die größte Baumaßnahme ist im Böblinger Stadtwald geplant. Hier soll das neue Tunnelportal „Mönchsbrunnen“ entstehen. Die bestehenden Bahngleise nach Vaihingen sollen leicht nach Norden verlegt werden und mit einem Überwerfungsbauwerk die neuen Gleise zum Flughafen queren. Für den Bau müssen große Waldflächen gerodet werden. Weiter westlich ist geplant, die Bahnbrücke über den Autobahnzubringer und die Brücke über die Friedrich-Gerstlacher-Straße neu zu bauen. Als letzte große Maßnahme wird die S-Bahnstation Goldberg neu gebaut. Die Bahnsteige sollen leicht verlegt werden und neue Dächer erhalten. Aber wie ist der Bau geplant bzw. welche Auswirkungen sind zu erwarten?
Die zu erwartenden Auswirkungen auf Böblingen sind massiv. Vor allem für die Bahnnutzende, aber auch für alle Autofahrer und die gesamte Stadtgesellschaft. Für Bahnnutzende soll es „mehrmonatige“ Sperrungen geben. Über Monate hinweg soll keine S-Bahn, kein Regionalzug und kein IC fahren. Tritt dies so ein, dann bedeutet das ein absolutes Verkehrschaos für Böblingen und Sindelfingen. Hinzu kommt, dass zeitgleich der Ausbau der A 81 zwischen Sindelfingen und dem Kreuz Stuttgart geplant ist. Wie soll hier ein Ersatzverkehr per Bus möglich sein? Weshalb werden mehrmonatige Sperrungen der S1 toleriert? Beim Ausbau der A 81 gab es Ersatzbrücken und nur Wochenendsperrungen für die S60. Hier muss der Bund zwingend nachbessern!
Durch den Neubau der Brücke über den Autobahnzubringer entstehen massive Einschränkungen für den Autoverkehr. Über Jahre soll hier eine Reduzierung auf zwei Spuren erfolgen. Zusätzlich ist vorgesehen, die Brücke niedriger neu zu bauen (4,50 Meter statt 4,70 Meter). Dadurch müssten dauerhaft alle Schwertransporter Richtung Schönaich durch die Böblinger Innenstadt geführt werden. Ein absolut inakzeptabler Zustand!
Weitere massive Auswirkungen auf Böblingen entstehen durch die temporären Baustellenflächen z. B. auf der Hulb, in der Innenstadt oder dem P+R-Parkplatz Goldberg. Durch die Verteilung über das gesamte Stadtgebiet muss der Baustellenverkehr durch die Böblinger Innenstadt geführt werden. Auch dies darf so nicht bleiben.
Der Tunnel ist notwendig, aber der Bau des Tunnels darf nicht dazu führen, dass Böblingen ganze sechs Jahre im Verkehrschaos versinkt. Es bleibt zu hoffen, dass unsere Sorgen gehört werden und der Bund hier nachbessert.
Ihr Stadtrat
Tim Göhner
Fraktion Bündnis 90/Die Grünen
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